#10 - Großkonzerne in der Industrie per TikTok gewinnen? (Mit Dimitri Kapetzke von Millstep)

Shownotes

02:30 – Gründungsgeschichte aus der Garage und dem Keller 05:30 – Einstieg ins Unternehmertum mit 19 Jahren 08:00 – Studium parallel zur Selbstständigkeit 10:30 – Erste eigene Halle und Aufbau des Unternehmens 13:00 – Entwicklung der ersten CNC-Fräsmaschinen 16:00 – Learning by Doing und Kundenprojekte als Wachstumstreiber 19:00 – Fehler, Rückschläge und iterative Produktentwicklung 22:00 – Strategische Neuausrichtung und Wachstumsschritte 25:00 – Einstieg in die Lohnfertigung und große Investitionen 28:00 – Wendepunkt: Einbruch der Auftragslage 31:00 – Ursachen der Schieflage und Fehlentscheidungen 34:00 – Insolvenz: Verlauf, Entscheidungen und Realität im Unternehmen 38:00 – Persönliche Belastung und mentale Herausforderungen 41:00 – Neustart: Entscheidung zur Weiterführung des Unternehmens 44:00 – Fokus auf Kerngeschäft und Reduktion von Komplexität 47:00 – Rolle von Marketing und Social Media im Neustart 50:00 – Aufbau von Sichtbarkeit durch Content und Video 52:30 – Mindset: Authentizität, Fehlerkultur und Differenzierung 55:00 – Abschluss und wichtigste Learnings für Unternehmer

Transkript anzeigen

00:00:00: (Transkribiert von TurboScribe. Upgrade auf Unbegrenzt, um diese Nachricht zu entfernen.) Wir sind ein kleiner Fisch im großen Haibecken.

00:00:02: Wie können wir alle auf uns aufmerksam machen?

00:00:04: Wichtig, die Komfortzone verlassen und über den Schatten

00:00:08: springen.

00:00:09: Verständlich machen, dass es darauf ankommt, Menschen zu

00:00:11: zeigen, technische Experten sprechen zu lassen und echte,

00:00:14: authentische Einblicke zu nehmen.

00:00:15: Du kannst nichts verkaufen, wenn du es nicht

00:00:17: zeigst.

00:00:17: Du musst präsent sein, du musst es zeigen.

00:00:20: Wenn du authentisch, wenn du ehrlich bist, dann

00:00:22: überzeugst du auch deine Zuschauer schon und aus

00:00:25: Zuschauern werden potenzielle Kunden.

00:00:26: Du darfst nicht nur Bling Bling, nur Erfolg,

00:00:30: nur tolle Sachen posten, nein.

00:00:32: Das ist der Industrie Impulse Podcast von Indomera

00:00:36: mit Wachstumsthemen rund um die Industrie.

00:00:40: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge vom Industrie

00:00:43: Impulse Podcast.

00:00:44: Heute mit einem neuen Gast, dem Dimitri Kapetzke.

00:00:48: Ich bin sehr gespannt, wir haben nämlich heute

00:00:49: gar nicht so ein super spezifisches Thema mitgebracht,

00:00:52: sondern quasi die Unternehmergeschichte dahinter.

00:00:54: Weil ich glaube, wir haben eine recht spannende

00:00:56: Geschichte dabei mit vielen Erkenntnissen, die wir auch

00:00:58: hoffentlich daraus ableiten können.

00:01:00: Aber es soll heute auch unter anderem wieder

00:01:02: um Marketing und Social Media gehen, also relativ

00:01:04: bunt unterwegs.

00:01:06: Genau, so viel vielleicht erst mal zur Einleitung.

00:01:08: Ich würde mal direkt übergeben.

00:01:09: Ich kann es dir mal gerne vorstellen, was

00:01:11: macht ihr mit Millstep?

00:01:12: So vielleicht erst mal ganz kurz, bevor wir

00:01:14: später detaillierter auf deine Story eingehen.

00:01:17: Was ist so gerade so euer Kerngeschäft?

00:01:19: Ja, unser Kerngeschäft ist klassisch Maschinenbau.

00:01:23: Also angefangen hat das Ganze mit eigenen Produkten.

00:01:27: Damals ging es so 2000 los.

00:01:29: Mein Vater mit meinem Bruder.

00:01:31: Typisch Garage, Keller, Wohngebiet.

00:01:34: Ging das Ganze los.

00:01:35: Mein Bruder war damals Student.

00:01:37: Mein Vater ist damals arbeitslos geworden und er

00:01:40: wusste nicht, was er tun soll.

00:01:42: Und dann hat er eine Firma gegründet.

00:01:43: Wie alt warst du?

00:01:44: Ich war dann noch ein ganz kleiner Pimp.

00:01:46: Ich bin selber 85, 85er Baujahr.

00:01:48: Das heißt, ich war so 15 Jahre alt.

00:01:51: Und mein Bruder sechs Jahre älter als ich.

00:01:52: Der war schon Anfang 20 und war schon

00:01:54: im Studium.

00:01:56: Oder im Fachabitur, irgendwie sowas.

00:01:58: Und ja, hat mein Vater damals beigebracht, wie

00:02:01: man mit einem CD-System umgeht.

00:02:03: Und weil mein Bruder da schon nebenberuflich Konstrukteur

00:02:06: war.

00:02:07: Und das Ganze ging so los.

00:02:09: Hilfsgeräte, Vorrichtung für die Druckindustrie.

00:02:10: Weil mein Vater vorher Drucker war.

00:02:12: Hat er angefangen, Hilfsgeräte zu bauen.

00:02:15: Und tatsächlich lief es gut.

00:02:17: Und dann irgendwie so zwei, drei Jahre später

00:02:20: gingen bei uns in der Region viele Druckereien

00:02:23: pleite.

00:02:24: Und dementsprechend gab es dann wieder weniger Aufträge.

00:02:26: Was machen?

00:02:27: Und da kam die Idee von meinem Bruder.

00:02:29: Er sagte zu meinem Vater, bau doch mal

00:02:30: eine CNC-Fräse.

00:02:33: Was umsonst.

00:02:34: Ja, was umsonst, genau.

00:02:36: Und so haben die sich beide wirklich da

00:02:38: reingestürzt.

00:02:38: Und 2003, 2004 ungefähr so die ersten CNC

00:02:42: -Fräsemaschinen.

00:02:43: Im Keller, Garage, Wohngebiet, Wohnhaus.

00:02:47: Gebastelt, geschust.

00:02:48: Das war wirklich nur Basteln.

00:02:49: Du warst da so 20.

00:02:50: Und ich war da so 19, 18, 19

00:02:54: war ich da rum.

00:02:56: Und wo ich dann nachher ausbildete.

00:02:57: Ich habe selber Verpackungsmittelmechaniker gelernt.

00:02:59: Das ist so ein Mix zwischen Papier und

00:03:01: Metall.

00:03:02: Ich habe Staubsaugerbeutel produziert.

00:03:04: Und war eine super Ausbildung.

00:03:06: Weil ich in einem Berufsunternehmen die Ausbildung genießen

00:03:09: konnte.

00:03:11: Und danach direkt nach der Ausbildung zum Fachabi

00:03:13: gegangen.

00:03:14: Zum Berufskolleg.

00:03:16: Fachrichtung Metall.

00:03:17: Und das war so mit 19 der Umstieg.

00:03:19: Mein Bruder wollte was eigenes machen.

00:03:20: Wollte raus.

00:03:21: Und ich habe dann quasi das Ganze mit

00:03:23: 19 von meinem Bruder übernommen.

00:03:26: Und wir sind selber 1992 eingewandert nach Deutschland.

00:03:29: Und das war so, mein Bruder war schon

00:03:32: ziemlich gut eingebürgert.

00:03:34: Ich dementsprechend schon die ganze Schule im Fachabi.

00:03:37: Und das ging das Ganze dann weiter.

00:03:38: Mein Vater und ich.

00:03:39: Und ich habe quasi nebenbei dann Fachabi gemacht.

00:03:41: Und danach kam auch das Studium.

00:03:43: Und wir haben in der Garage im Keller

00:03:45: die Fräsen zu zweit gebaut.

00:03:47: Das heißt nochmal, weil du gerade so schnell

00:03:48: da durchgegangen bist.

00:03:49: Dein Bruder hat es mit deinem Vater quasi

00:03:51: ursprünglich gegründet und aufgebaut.

00:03:53: Und dann ist dein Bruder irgendwann raus und

00:03:54: du hast es übernommen.

00:03:55: Oder du hast es mit deinem Bruder übernommen?

00:03:56: Nein, mein Bruder ist dann raus.

00:03:57: Mein Bruder hat mich gefragt, willst du das

00:03:59: weitermachen oder nicht?

00:04:00: Weil ich möchte jetzt raus.

00:04:02: Und ich mit 19, ja was willst du

00:04:04: denn sonst machen?

00:04:05: Klar, war du aber schon fertig?

00:04:06: Ausbildung war ich schon fertig.

00:04:07: Ich war im Fachabi.

00:04:08: Ich war im Fachabi da schon nach der

00:04:10: Ausbildung.

00:04:12: Klar, ich probiere es mal aus.

00:04:14: Und so wurde ich quasi reingeschubst in das

00:04:17: Unternehmertum mit 19 Jahren.

00:04:19: Und sieh zu, dass du Angebote, Rechnungen, Aufträge,

00:04:23: alles stemmst.

00:04:24: Und das war somit der Start für meine

00:04:28: Selbstständigkeit mit 19 Jahren.

00:04:29: Ja, cool.

00:04:30: Und dann zusammen mit deinem Dad losgelegt.

00:04:32: Genau, dann zusammen mit meinem Vater losgelegt.

00:04:34: Und das war echt eine harte Zeit.

00:04:37: Das war typisch von 6 bis 6.

00:04:39: Von Montag bis Sonntag und durch.

00:04:42: Und Feiertage und Weihnachten und Geburtstage, es wurde

00:04:44: einfach nur durchgeackert.

00:04:48: Ich denke mal so die ersten acht Jahre.

00:04:51: Und dann habe ich meine Frau kennengelernt.

00:04:54: Dann kam das erste Kind.

00:04:55: Und dann war ich Mitte 20.

00:04:57: Da war ich auch mit dem Studium schon

00:04:58: fertig, mit 25.

00:04:59: Das heißt, du hattest dann parallel zum Firmenaufbauen

00:05:02: auch studiert?

00:05:02: Genau.

00:05:03: Ich habe nebenbei studiert, kann man sagen.

00:05:04: Vollzeit studiert, nebenbei studiert.

00:05:07: Und da gab es schon die Firma.

00:05:08: Dann was Kaufmännisches oder was Technisches?

00:05:10: Ich habe Mechatronik studiert.

00:05:12: Wir waren gerade der letzten Diploma auf der

00:05:13: FH Bielefeld.

00:05:14: Das hieß Produktentwicklung, Fachrichtung Mechatronik.

00:05:18: Und das war auch ein sehr gutes Studium,

00:05:20: weil wir hatten viel Mechanik.

00:05:22: Wir hatten Programmierung, Elektrotechnik hatten.

00:05:25: Wir hatten Vertrieb, also schon ein recht großes

00:05:28: Spektrum.

00:05:28: Und da ich schon in der Selbstständigkeit war,

00:05:31: habe ich die Profs immer wieder genervt.

00:05:33: Angebote und Rechnungen und Technik und Maschinenrichtlinien und

00:05:36: CE, weil ich schon mitten im Thema war.

00:05:39: Und die Profs waren einfach nur baff.

00:05:41: Die haben aber sehr, sehr gerne geholfen, dass

00:05:43: so ein junger Typ da irgendwie mit Fachsachen

00:05:48: kommt und Fragen stellt.

00:05:50: Und da haben die mich auch gerne unterstützt,

00:05:51: die Profs, definitiv.

00:05:52: Ja, cool.

00:05:54: Und dann habt ihr quasi die ganze Zeit

00:05:55: Fräsmaschinen gebaut im Endeffekt?

00:05:57: Genau.

00:05:57: Wir haben die ganze Zeit Fräsmaschinen gebaut im

00:05:59: Wohngebiet.

00:06:01: Auch zwischendurch mal Stress gehabt mit den Nachbarn.

00:06:07: Gehört dazu.

00:06:08: Aber dann bin ich fertig geworden mit 25

00:06:11: und habe eine Immobilie gekauft.

00:06:16: Direkt nach dem Studium habe ich eine GmbH

00:06:17: gegründet.

00:06:19: Dann haben wir drei oder vier Monate später

00:06:21: eine Immobilie gekauft und ein Jahr nur Baustelle

00:06:25: gemacht.

00:06:25: Vater hat im Keller die Maschinen weiter zusammengebaut.

00:06:28: Ich hatte einen eingestellt oder wir hatten einen

00:06:30: eingestellt.

00:06:32: Und somit der Mitarbeiter und ich haben ein

00:06:33: Jahr nur Baustelle gemacht, weil wir eine Ruine

00:06:35: gekauft haben.

00:06:36: Mehr Geld gab es nicht von der Bank.

00:06:38: Und haben mit unseren eigenen Händen eine Halle

00:06:41: hochgezogen, eine Halle renoviert und den ganzen Hof

00:06:45: gepflastert, das Haus kernsaniert.

00:06:48: Und da, wo wir jetzt drin sind, haben

00:06:50: wir ein Jahr nur Baustelle gemacht.

00:06:51: Das ist quasi jetzt in Spenge, wo ihr

00:06:53: seid?

00:06:53: Genau da, wo wir jetzt sind.

00:06:54: Und dann ein Jahr später, Oktober, da war

00:06:57: ich schon, das war Oktober 2000, da müsste

00:07:00: ich lügen, mit 26, also 2011, sind wir

00:07:03: dann eingezogen in die aktuelle Räumlichkeit, wo wir

00:07:05: auch tatsächlich sind.

00:07:06: Ich würde ganz gerne mir einmal das Unternehmerische

00:07:08: anschauen.

00:07:10: Ihr seid jetzt auf den Trichter gekommen, Fräsmaschinen

00:07:12: zu machen.

00:07:12: Wie war da so die Entwicklung von, ok,

00:07:15: wir bauen die allererste Fräsmaschine, wir haben keine

00:07:17: Ahnung, worauf es ankommt wahrscheinlich, bis hin zu,

00:07:20: ok, das und das brauchen wir am Markt.

00:07:22: Wir brauchen ja wahrscheinlich ein Alleinstellungsmerkmal oder irgendwas,

00:07:24: was wir vielleicht anders machen als andere.

00:07:26: Wir müssen uns ja irgendwie am Markt positionieren.

00:07:28: Wie war da so die Entwicklung?

00:07:29: Was gab es da so für Meilensteine, vielleicht

00:07:31: auch für Herausforderungen?

00:07:32: Ich habe damals selber konstruiert.

00:07:36: Und ich habe es mir eigentlich selber beigebracht.

00:07:38: Also was man so lernt in der Berufsschule,

00:07:40: was man so lernt im Studium.

00:07:42: Das heißt noch lange nicht, dass man gut

00:07:45: konstruieren kann.

00:07:45: Ich hatte selber konstruiert mit meinem Vater zusammen.

00:07:47: Wir haben die Maschinen uns überlegt.

00:07:49: Die haben funktioniert, alles gut und toll.

00:07:52: Aber die Maschinen waren definitiv nicht so serienreif,

00:07:55: wie die jetzt sind, weil die Erfahrung einfach

00:07:56: gefehlt hat.

00:07:57: Wir haben nach bestem Wissen und Gewissen konstruiert

00:07:59: und gebaut und gehandelt.

00:08:01: Und bei so einem Produkt machst du ja

00:08:04: nicht nur, dass es super präzise ist oder

00:08:06: super stabil, du musst auch auf die Kosten

00:08:07: schauen.

00:08:08: Und wie kannst du das Ding überhaupt bauen

00:08:10: im Keller?

00:08:11: Ohne die Nachbarn zu nerven.

00:08:13: Genau, die Gegebenheiten musst du auch darauf achten.

00:08:17: Und einen großen Sprung haben wir gemacht 2013,

00:08:23: wo dann wieder mein Bruder quasi mit eingestiegen

00:08:26: ist, in die Konstruktion als Externer.

00:08:29: Dann haben wir komplett unser ganzes Portfolio, was

00:08:31: wir haben, umgekrempelt und die aktuelle Konstruktion damals

00:08:36: gezaubert, die wir jetzt eigentlich haben.

00:08:37: Und das war so mit der Startschuss tatsächlich,

00:08:41: wo wir dann den großen Sprung gemacht haben,

00:08:43: aus der Bastlerwerkstatt in Maschinen serienreif in der

00:08:48: Güte, in der Qualität zu fertigen.

00:08:51: Wie war das bei euch?

00:08:53: Also bei uns zum Beispiel in unserer Geschichte

00:08:55: von Indomera war es immer so, dass wir

00:08:57: Dinge mit Kunden als Pilotprojekt gemacht hatten, haben

00:09:00: die dann zum ersten Mal gemacht, haben gemerkt,

00:09:02: okay, so funktioniert es nicht, so macht es

00:09:04: uns vielleicht besser und dann learning by doing

00:09:06: quasi und aus den Projekten viel gelernt.

00:09:08: Und dann gab es den nächsten Kunden, der

00:09:10: meinte, ja, können wir nicht mal dieses oder

00:09:11: jenes testen?

00:09:12: Und so hat man sich Stück für Stück

00:09:13: weiterentwickelt zu all den Themen, die wir jetzt

00:09:14: so machen.

00:09:15: Wie war das bei euch?

00:09:16: Weil es klingt ja so, als würdet ihr

00:09:17: viel quasi eure Gehirnleistungen im stillen Kämmerlein quasi

00:09:22: da reinstecken und quasi etwas entwickeln.

00:09:25: War das dann auch so, dass ihr eine

00:09:26: Fräsmaschine gebaut habt und dann habt ihr gemerkt,

00:09:28: okay, die kriegen wir gar nicht verkauft?

00:09:29: Oder hat der Kunde euch direkt irgendwie Anforderungen

00:09:31: gegeben und hat mir gesagt, ja, so und

00:09:33: so brauchen wir das und wurdet ihr besser?

00:09:34: Oder wie war da so der Weg, dass

00:09:36: ihr ein Produkt an den Markt bringt, was

00:09:38: wirklich wirtschaftlich funktioniert, wie du gesagt hast, aber

00:09:41: auch die Kundenbedürfnisse erfüllt und sich gegen andere

00:09:44: Maschinen ja auch irgendeiner Weise durchsetzt?

00:09:47: Genau.

00:09:47: Und das war, was du jetzt eben schon

00:09:50: sagtest, die Produkte entstanden mit den Aufträgen.

00:09:53: Das heißt, der Kunde kam auf uns zu.

00:09:55: Wir haben bereits ein gewisses Paket an Maschinen

00:09:58: gebaut und auf dieser Basis, die bereits bestand,

00:10:01: wurden dann Sonderprojekte entwickelt und Maschinen kreiert nach

00:10:05: den neuen Anforderungen.

00:10:06: Da gab es hier eine Anpassung, hier eine

00:10:08: Anpassung.

00:10:08: Da wurde was vergrößert, was verkleinert, nach Kundenwunsch

00:10:12: zusammen geplant und nicht immer gingen die Pläne

00:10:16: auf.

00:10:17: Es gab natürlich auch Problemkunden oder wir haben

00:10:20: dementsprechend das Produkt so gebaut, dass es den

00:10:23: Wünschen des Kunden nicht entspricht und dann gab

00:10:25: es noch auch Knirsch und Probleme mit Kunden.

00:10:29: Da musste man auch 20 Mal nach Berlin

00:10:31: fahren, um eine Instandhaltung zu machen, um Reparaturen

00:10:35: zu machen, um den Mist, den man verzapft

00:10:37: hat, wieder gut zu machen.

00:10:38: Ja.

00:10:39: Und sind auch ganz oft auf die Schnauze

00:10:41: gefallen.

00:10:42: Ja.

00:10:42: Genau.

00:10:43: Und dann bei der nächsten Maschine, natürlich in

00:10:45: dieser Größe, da war man natürlich schlauer, wo

00:10:49: man sagt, nein, noch mal machen wir es

00:10:51: nicht so, wie wir es damals gemacht haben.

00:10:53: Und das war immer ein Lernprozess, weil wir

00:10:56: haben die Maschinen, alle Maschinen, so wie wir

00:10:59: die haben, Maschinen in Größen, die wir bis

00:11:01: jetzt gebaut haben, sind nicht entstanden, weil wir

00:11:04: gedacht haben, jetzt machen wir diesen Typen da

00:11:07: raus, sondern die entstanden meistens nach Kundenwunsch, nach

00:11:10: Aufträgen.

00:11:11: Klar, ein gewisses Portfolio haben wir selber entwickelt,

00:11:14: selber gebaut, was dem größten Teil der Kunden

00:11:17: entspricht, aber trotzdem die ganzen Sonderbauten sind nach

00:11:22: Kundenwunsch entstanden.

00:11:23: Und wie kamen dann in eurer Entwicklung, ihr

00:11:25: seid ja irgendwann in quasi eine Schieflage gekommen,

00:11:28: wie war da so die Entwicklung Richtung Insolvenz

00:11:30: und so rückblickend betrachtet, was waren vielleicht so

00:11:34: die ersten Indikatoren oder so die Punkte, die

00:11:36: das auch irgendwie ausgelöst haben?

00:11:38: Genau, also ich muss mal ein bisschen weiter

00:11:39: ausführen, was ich sagte, so 2013 kam mein

00:11:42: Bruder mit ins Spiel, da haben wir die

00:11:43: Produkte umgestrickt, das Ganze seriendreif gemacht, komfortabel im

00:11:47: Zusammenbau und das lief sehr gut mit den

00:11:50: Maschinen.

00:11:52: Und dann so 2021 kam die Idee, hey,

00:11:55: wir fräsen ja für uns selber Teile, wir

00:11:58: fertigen ja selber, wir haben Know-how, wir

00:11:59: haben die Systeme, wie wäre es, wenn wir

00:12:01: großen Maschinen uns zulegen, somit können wir komplexere

00:12:05: Maschinen produzieren, plus die Dienstleistung anbieten für die

00:12:09: Lohnfertigung.

00:12:11: Und tatsächlich habe ich dann den Sprung oder

00:12:14: die Entscheidung getroffen, das war so 21, 22,

00:12:19: dass wir jetzt ein Bearbeitungszentrum uns kaufen und

00:12:24: haben uns tatsächlich eins gekauft, haben dementsprechend unsere

00:12:27: eigenen Maschinen, das war ein ganz tolles Projekt,

00:12:30: was wir umgesetzt haben, Sonnenmaschinenbau.

00:12:33: Und somit haben wir die noch komplett selber

00:12:35: hergestellt, die einzelnen Teile produziert.

00:12:38: Selber konstruiert, selber geplant, selber gefertigt, selber zusammengebaut

00:12:41: und dem Kunden auch ausgeliefert, lief alles wunderbar.

00:12:45: So und parallel haben wir probiert, die sparte

00:12:48: Lohnfertigung aufzubauen und tatsächlich einen guten Kunden gewonnen.

00:12:53: Und welche Zeit war das so?

00:12:55: War das so die Zeit, wo dann auch

00:12:56: die deutsche Wirtschaft stark am boomen war oder?

00:12:58: Das war so 22.

00:13:00: Also die Auftragslage war bei uns sehr gut,

00:13:02: im Maschinenbau sehr gut und in der Lohnfertigung

00:13:04: haben wir dann die Aufträge auch gekriegt.

00:13:06: Und davor haben wir teilweise wirklich zwei, zweieinhalbschichtig

00:13:09: auf der Maschine haben wir produziert und dann

00:13:12: habe ich kurze Zeit, ich glaube ein halbes

00:13:13: Jahr später, dreiviertel Jahr später, beschlossen, ey komm,

00:13:16: jetzt müssen wir doch die zweite holen, weil

00:13:17: es so geil läuft, müssen wir noch mehr

00:13:20: investieren und das Ganze noch nach vorne treiben.

00:13:24: Und somit war dieses Sonderprojekt abgeschlossen und wir

00:13:28: haben die zweite Maschine in Betrieb genommen und

00:13:31: die Aufträge waren noch da und dann kurze

00:13:34: Zeit später, auf einmal bröckelt das und die

00:13:36: Aufträge fielen weg und damit war die zweite

00:13:40: Maschine, die dazu gekommen ist, stand quasi durchgehend

00:13:43: und ich habe natürlich Leasingverträge abgeschlossen.

00:13:47: Da kannst du nicht einfach so ein Rückzieher

00:13:49: machen und da sagen, hey, ich habe doch

00:13:50: keine Lust mehr.

00:13:52: Die lassen dich nicht einfach so raus.

00:13:56: Und die zweite Maschine lief zwischendurch, aber Maschinenbau

00:14:00: wurde weniger, somit hatten wir für uns selber

00:14:03: nicht allzu viel zu fräsen, Lohnfertigung war weniger

00:14:06: und somit kam dann die Schieflage recht schnell,

00:14:10: weil die Bank muss bedient werden, man hat

00:14:12: auch die Fachkraft da, die an der Maschine

00:14:14: steht, die kostet auch Geld, die Räumlichkeiten, alles

00:14:18: drumherum, die Versicherungen, da sind Unsummen, die dabei

00:14:20: entstehen, aber alle kennen das, die Bearbeitungszentren haben,

00:14:24: da sind gewaltige Kosten.

00:14:26: Wenn die Aufträge fehlen und das geht dann

00:14:28: ratzfatz, ist man dann kaputt.

00:14:32: Und das ging dann recht zügig, das heißt,

00:14:34: es lief gut, es lief gut und dann

00:14:35: innerhalb von, es ist schlechter geworden, so im

00:14:38: Sommer, im Sommer 23 und im Januar 24

00:14:45: habe ich dann Jens Söwenzer gemeldet.

00:14:46: Ich habe dann Ende des Jahres noch probiert,

00:14:48: durch Kredit und noch zusätzliche Finanzierung das Ganze

00:14:51: irgendwie doch rumzureißen, aber da war es schon

00:14:55: zu spät.

00:14:55: Würdest du zurückblicken und sagen, dass man das

00:14:58: hätte eher erkennen können, also warst du irgendwie

00:15:00: zu unvorsichtig oder was waren vielleicht so Warnsignale,

00:15:04: die du vielleicht auch übersehen hast, quasi im

00:15:06: unternehmerischen Wahn?

00:15:07: Nein, die Signale waren da, die Signale waren

00:15:09: da, aber die rosarote Brille und dieses blaue

00:15:13: Auge und es wird, es wird die Aufträge

00:15:16: kommen und dieses Naive hat im Endeffekt dazu

00:15:20: geführt, dass man dann vor dem Aus stand,

00:15:23: weil wir hätten eigentlich, oder ich hätte eigentlich

00:15:27: gesagt, eine Maschine reicht vollkommen aus und noch

00:15:30: besser ist, vielleicht nicht eine neue Maschine, mit

00:15:32: der starten, sondern hätte ich mir vielleicht eine

00:15:34: gebrauchte geholt, eine recht einfache, es war auch

00:15:37: eine einfache und erst mal klein angefangen, nicht

00:15:40: sofort große Schritte gemacht, sondern klein und ja,

00:15:45: damals war noch so, in die Lohnfertigung rein

00:15:48: oder nicht und ich hätte lieber da bleiben

00:15:51: sollen, wo wir wirklich gut aufgestellt sind, wo

00:15:55: das Spaß macht, wo wir wirklich auch Geld

00:15:56: mitverdienen und da sind halt eigene Produkte und

00:15:59: dann der Lohnfertigung war absolut neu, die Maschinen

00:16:01: sind teuer, Werkzeuge sind teuer, das Ganze drumherum

00:16:03: ist sehr teuer, Fachpersonal ist teuer Es gibt

00:16:07: auch viele andere noch, das kann ich auch

00:16:09: noch mit dazu, oder hattet ihr was gefunden,

00:16:12: im Bereich Lohnfertigung, wo ihr irgendwie Alleinstellungsmerkmale,

00:16:15: Besonderheiten in der Werkstatt hattet?

00:16:16: Wahrscheinlich nicht.

00:16:17: Wir gehörten zum Standard.

00:16:18: Ja.

00:16:18: Kann ich gar nicht sagen, dass wir irgendetwas

00:16:19: Besonderes programmieren konnten.

00:16:21: Was wir hatten ist, wir hatten die Softwaresysteme,

00:16:24: mit denen wir programmiert haben, die waren recht

00:16:25: günstig, das waren die gleichen Systeme, wie wir

00:16:27: auf unseren Standardmaschinen arbeiten, mit denen haben wir

00:16:29: auch auf dem Bearbeitungsstandort programmiert, da haben wir

00:16:32: ordentlich viel Geld gespart, da mussten wir nicht

00:16:33: die teuren Systeme nehmen, aber wir haben nichts

00:16:38: Besonderes machen können, wir waren im Durchschnitt mit

00:16:41: klassischen 3-Axis-Maschinen und das war jetzt

00:16:43: keine Besonderheit.

00:16:46: Das war für uns einfach nur, ich wollte

00:16:48: das Portfolio erweitern, dass wir sagen können, wir

00:16:51: können auch Stahlteile fertigen und in der Hinsicht,

00:16:53: dass wir irgendwann mal Stahlmaschinen selber bauen werden,

00:16:59: aber das war auch ein Hirngespenst und im

00:17:02: Endeffekt bin ich davon auch abgegangen, es gibt

00:17:03: genug Hersteller in Deutschland, die großartige Bearbeitungszentren bauen

00:17:08: und das ist nicht unsere Nische und da

00:17:10: gehen wir auf jeden Fall nicht rein.

00:17:11: Was würdest du sagen, ist so rückblickend betrachtet,

00:17:14: also wie war die Zeit menschlich für dich?

00:17:18: Also das war ja so ein halbes Jahr,

00:17:20: hast du circa gesagt, oder so vier, fünf

00:17:23: Monate, wo du versucht hast, die Kurve zu

00:17:25: kriegen und danach kam ja wahrscheinlich auch nochmal

00:17:27: was, es war ja nicht dann wieder Knopfdruck

00:17:29: wahrscheinlich und alter Stand wie vorher.

00:17:31: Das war so große Etappen, das heißt ungefähr

00:17:34: ein halbes Jahr hat man gesehen, hey die

00:17:35: Schieflage kommt, ein gewisser Umsatz ist da, aber

00:17:40: es reicht nicht, um den Laden aufrechtzuerhalten und

00:17:42: man sieht, wie die Liquidität immer kleiner, immer

00:17:44: kleiner von Monat zu Monat, du musst die

00:17:45: Leute bezahlen, du musst die Bank bezahlen, du

00:17:47: musst alles bezahlen, aber der Umsatz reicht nicht

00:17:50: aus, um alles bezahlen zu können und da

00:17:53: war immer der Kampf, das Ruder rumzureißen und

00:17:58: wo das nicht geklappt hat, wo ich dann

00:18:00: über Silvester viel mit meiner Frau gesprochen habe,

00:18:03: ich habe selber drei Kinder, bin verheiratet und

00:18:06: da ist ja ein ganzes Existenz und wäre

00:18:11: ich alleine, wäre wahrscheinlich das Leben viel einfacher,

00:18:13: aber du hast eben auf deinen Schultern noch

00:18:15: einen kleinen Rucksack, den du privat stemmen musst

00:18:17: und das war auch viel hin und her,

00:18:19: hin und her und entweder verschuldet man sich

00:18:21: noch mehr, indem man hofft, dass man das

00:18:23: Ruder reißt oder man zieht die Reißleine und

00:18:25: sagt hey, jetzt ist Schluss und das war

00:18:28: so mit 12.

00:18:29: Januar 1924, habe den Antrag eingereicht beim Amtsgericht

00:18:33: Bielefeld und gesagt, jetzt sind wir zahlungsunfähig, es

00:18:37: geht nicht mehr und das war quasi die

00:18:41: nächste Hürde, die man nehmen musste, wo man

00:18:45: psychisch, da muss man psychisch klarkommen, man hat

00:18:48: versagt, man hat den Antrag gestellt und man

00:18:52: steht vor einem Haufen Glasscherben, wo alles kaputt

00:18:56: ist und da habe ich mir in dem

00:18:58: Moment gesagt, fuck off, die Selbstständigkeit mache ich

00:19:02: nie wieder, ich schmeiße das hin, ich mache

00:19:03: das nie wieder, das ist absolut nicht meins.

00:19:08: Und ich bin aber trotzdem da.

00:19:11: Du hattest den Antrag gestellt, dann waren ja

00:19:14: all deine Leute wahrscheinlich weg, ihr hattet ja

00:19:17: noch die Maschinen und alles da, wie ging

00:19:20: es dann weiter?

00:19:21: Dann kam wahrscheinlich ein Insolvenzverwalter oder wie war

00:19:23: das dann und hat dann die Äste das

00:19:25: quasi verkauft?

00:19:26: Die Leute sind nicht weg, du stellst einen

00:19:28: Insolvenzantrag beim Amtsgericht, wo du sagst, hey Leute,

00:19:32: ich kann meine Rechnung nicht mehr bezahlen, es

00:19:33: ist finito.

00:19:35: So, dann wird dir innerhalb das ging gerade

00:19:36: zu fast, innerhalb von ein paar Tagen bekommst

00:19:38: du ein Foto vom Amtsgericht und schreiben, dann

00:19:40: bekommst du ein paar Tage später den Insolvenzverwalter

00:19:42: zugeteilt, die Leute bleiben nach wie vor bei

00:19:45: dir in Betrieb, weil es gibt ja bei

00:19:46: uns in Deutschland ein Regelwerk, das Insolvenz gilt,

00:19:49: das heißt die ersten drei Monate sind deine

00:19:51: Mitarbeiter safe, das heißt, wenn du einen Insolvenzverwalter

00:19:53: zugeteilt bekommen hast, dann bist du in einer

00:19:55: vorläufigen Insolvenz und deine Mitarbeiter, deine Jungs sind

00:19:59: safe für die nächsten drei Monate, weil der

00:20:01: Insolvenzverwalter muss ja nicht die Reißleine ziehen und

00:20:03: von heute auf morgen ist der Laden tot.

00:20:05: Nein, das heißt, du bekommst jemanden quasi in

00:20:07: die Hand und der führt dich dann an

00:20:09: der Hand und sagt dir, hey, jetzt kannst

00:20:11: du hier bezahlen, jetzt kannst du vielleicht da

00:20:12: bezahlen und deine Mitarbeiter sind aber bezahlt.

00:20:15: Du musst auch Mieten zahlen, du musst Strom

00:20:16: zahlen, du musst ja alles weiterhin zahlen und

00:20:19: du hast ja immer noch laufende Aufträge, das

00:20:20: ist ja so, dass du von heute auf

00:20:21: morgen keinen Aufträger hast.

00:20:23: Ja, und dann haben wir tatsächlich einen Insolvenzverwalter

00:20:24: bekommen und Mitarbeiter haben wir, habe ich offen

00:20:30: und ehrlich kommuniziert alles, aber natürlich nur zu

00:20:32: dem Zeitpunkt, wo ich den Antrag gestellt habe.

00:20:36: Bis zu diesem Datum wusste es keiner, außer

00:20:38: mein Kaufmann, mit dem ich die ganzen Unterlagen

00:20:40: vorbereitet habe.

00:20:41: Ein Insolvenzantrag ist nicht eine Unterschrift gesetzt und

00:20:43: raus, du musst ganz viele Unterlagen damit einreichen.

00:20:46: Na, was bei dir so alles gelaufen ist

00:20:48: an Geschäften und ganz, ganz viel Papier kam,

00:20:51: musst du einreichen.

00:20:52: Finanzbuchhaltung ist da ganz großes Thema.

00:20:55: So, dann habe ich, wo ich den Antrag

00:20:57: gestellt habe, dann habe ich erst das ganze

00:20:59: Team mit dazu genommen und die aufgeklärt, ey,

00:21:03: es ist soweit und das Ding ist kaputt.

00:21:07: Und ein Teil von denen, nee, zumindest alle

00:21:09: haben gesagt, hey, wir ziehen jetzt durch und

00:21:12: schauen, wo die Reise hingeht, weil die waren

00:21:13: safe für die nächsten drei Monate.

00:21:16: Und somit haben wir weitergearbeitet und dann kam

00:21:20: der Silvester weiter mit ins Spiel und dann

00:21:21: hat es angefangen, hat sich das Ganze angeschaut

00:21:24: und dann wurde angefangen zu regeln, wie was

00:21:26: laufen soll.

00:21:27: Und dann hattest du gesagt, na, als ihr

00:21:29: den Antrag auch gestellt hattet, war so dieser

00:21:32: Mund, wo du sagtest, okay, ich packe es

00:21:35: nicht mehr, ich gehe auf als Unternehmer und

00:21:37: gehe wieder ins Angestelltenverhältnis.

00:21:39: Wie kam dann so die Entwicklung Step by

00:21:41: Step, dass es dann doch wieder bergauf ging?

00:21:43: Genau, da habe ich mir erst mal gesagt,

00:21:45: sofort gesagt, da habe ich auch meinen Jungs,

00:21:47: wo ich das bekannt gegeben habe, wir sind

00:21:49: pleite und ich habe in dem Moment, war

00:21:51: ich psychisch echt am Boden, war ich total

00:21:53: kaputt und habe auch gesagt, ne, ich mache

00:21:56: das mit der Selbstständigkeit nicht mehr.

00:21:58: Und im laufenden Prozess, wo dann, wir haben

00:22:01: die Aufträge trotzdem weiter abgearbeitet, wir haben die

00:22:04: Projekte gemacht und man überlegt ja trotzdem, was

00:22:07: machst du jetzt?

00:22:09: Du bist Ende 30 und wo geht die

00:22:12: Reise jetzt hin?

00:22:13: Was machst du und gehst du wirklich sagen,

00:22:15: ich war noch nie im Angestelltenverhältnis.

00:22:17: Ich habe eine Lehre gemacht, da war ich

00:22:19: ein halbes Jahr nach der Lehre wirklich als

00:22:22: Facharbeiter angestellt und dann kam mein Fachabit, genau,

00:22:26: dann kam mein Fachabit, dann kam das Studium

00:22:28: und dann kam die GmbH.

00:22:29: Und ich war nie im Angestelltenverhältnis, nur meine

00:22:32: Frau zu mir auch.

00:22:33: Kannst du das überhaupt?

00:22:36: Als Angestellter irgendwo arbeiten.

00:22:38: Und dann viel mit meinem Bruder gesprochen, mit

00:22:40: Steuerbereiter, also mit den Engsten, die da mit

00:22:41: zusammen waren, mit den Mitarbeitern, die waren auch

00:22:45: ganz, ganz großes Thema.

00:22:46: Wir haben viel diskutiert und im Endeffekt hat

00:22:51: man dann sich doch für entschieden, hey, wenn

00:22:53: wir das gemacht hätten, wenn wir dies gemacht

00:22:55: hätten, wenn die Entscheidung anders gewählt wäre, dann

00:23:00: wäre es anders ausgegangen.

00:23:02: Und dann hat man alles Revue passieren lassen,

00:23:05: ist mal klar gekommen mit dem Kopf, hat

00:23:07: einige Wochen, einige Monate gedauert und dann habe

00:23:10: ich doch den Insolvenzverwalter kontaktiert und gesagt, ich

00:23:13: glaube das war so nach zwei Monaten, hey,

00:23:15: ich möchte den Laden weiterführen und somit ist

00:23:17: es ja, wenn du ein neues Unternehmen gründen

00:23:20: möchtest, musst du neu gründen und dann hast

00:23:24: du die Möglichkeit, deine eigene Insolvenzmasse zu kaufen

00:23:28: vom Insolvenzverwalter.

00:23:30: Und dann habe ich mit denen ein Deal

00:23:31: gemacht und das aus der Firma rausgekauft, die

00:23:34: Mitarbeiter auch übernommen.

00:23:36: Einige sind weggegangen, einige sind geblieben und somit

00:23:40: haben wir dann fortgesetzt.

00:23:41: Nun habe ich mit dem Einzelunternehmen, haben wir

00:23:45: im April, meine ich, April 24, genau, April

00:23:49: 24, haben wir mit dem Einzelunternehmen dann fortgesetzt.

00:23:52: Wie war das dann von der Auftragslage?

00:23:54: Ihr hattet dann ja wieder euer Kerngeschäft, ne?

00:23:56: Also ihr hattet dann ja Lohnfertigung und alles

00:23:58: raus, ne?

00:23:58: Also das macht ihr ja gar nicht mehr,

00:24:00: ne?

00:24:00: Lohfehl, nein.

00:24:01: Und zwar mit der Insolvenz sind auch die

00:24:02: Maschinen, die komplette geliesten PKWs, die teuer waren,

00:24:07: die Maschinen, die teuer waren, alles was viel

00:24:10: Kapital gefressen hat, wurde abgestoßen und wirklich gekauft

00:24:14: wurden eigentlich nur die Kunden, die eigenen Produkte,

00:24:18: die man entwickelt hat und die Mitarbeiter wurden

00:24:20: übernommen.

00:24:20: Alles, was Last gebracht hat, wurde komplett abgestoßen.

00:24:23: Wie ging es danach weiter?

00:24:25: Mittlerweile machst du sehr viel auf Social Media,

00:24:27: legst sehr viel Wert auf Marketing und Vertrieb.

00:24:29: War das vorher auch schon so oder hat

00:24:31: sich das jetzt gewandelt, weil du gemerkt hast,

00:24:33: oh, wenn man dort nicht präsent ist, dann

00:24:35: droht vielleicht genau so eine Entwicklung und deswegen

00:24:37: mache ich es jetzt anders oder wie kam

00:24:39: das dann?

00:24:40: Genau, ich habe ja dann den Entschluss gefasst,

00:24:42: doch, wir gründen neu, wir setzen fort, wir

00:24:45: ziehen, wir haben die Ideen, wir haben die

00:24:47: Ressourcen, wir haben das Knowhow dahinter in den

00:24:50: ganzen Jahren und wir können geile Produkte liefern

00:24:53: und wir können das Ding immer noch aufbauen,

00:24:56: aber halt anders als vor der Insolvenz.

00:25:00: Aber trotzdem, die Aufträge blieben aus.

00:25:04: Ob das die Krise war, keine Ahnung, auf

00:25:06: jeden Fall die Fräsemaschinen konnten wir, ja, es

00:25:09: war schleppen.

00:25:09: Die Auftragslage war nicht rosig und es war

00:25:11: schleppen.

00:25:12: Und somit haben wir dann gesucht, ja, wie

00:25:15: kommen wir an Kundschaft, wie können wir uns

00:25:18: präsent machen, dass die Leute sehen, was wir

00:25:19: können.

00:25:20: Wir sind ein kleiner Fisch im großen Haibecken

00:25:22: und wie können wir uns präsentieren, wie können

00:25:24: wir uns, wie können wir alle auf uns

00:25:26: aufmerksam machen.

00:25:29: Und ich hatte früher schon zwischendurch YouTube gemacht,

00:25:32: das fiel mir ziemlich schwer, in die Linse

00:25:33: zu quetschen, was wir jetzt machen.

00:25:37: Ich stand aber auch beruflich mit Fräsemaschinen.

00:25:40: Ich habe unsere Fräsemaschinen vorgestellt.

00:25:42: Das heißt, wir haben Querformat genommen, nicht was

00:25:44: jetzt typisch ist, Handy und senkrecht, sondern wirklich

00:25:47: Querformat.

00:25:48: Ich weiß noch damals, meine Schwägerin stand hinter

00:25:50: der Kamera, wir haben das Licht positioniert, dass

00:25:52: die Maschine ausgeleuchtet ist und das fiel einem

00:25:57: sehr, sehr schwer.

00:25:57: Wir haben Tage gebraucht, bis wir einen Videokasten

00:25:59: hatten.

00:26:00: Tage, bis man so in die Linse gequetscht

00:26:02: hat, dass es funktioniert.

00:26:03: Das war eine Katastrophe.

00:26:04: Dann haben wir beschlossen, hey, wir müssen jetzt

00:26:06: irgendwie was machen.

00:26:07: Da kam das Thema LinkedIn und dann habe

00:26:09: ich einen auf LinkedIn angeschrieben.

00:26:13: Nee, Quatsch, ich habe einen Beitrag gelesen, dass

00:26:15: eine Unternehmerin einen Kurs hatte bei einem, der

00:26:20: für Social Media, für LinkedIn, Schulungen anbietet, um

00:26:25: das Profil hübsch zu machen, um mir Aufmerksamkeit

00:26:28: zu liefern, wie man da rangeht an Social

00:26:33: Media, aber wirklich nur auf LinkedIn.

00:26:35: Dann habe ich wirklich die Schulung gebucht, bezüglich

00:26:39: LinkedIn, also das Gleiche, was ihr macht.

00:26:41: Damals kannte ich euch nicht.

00:26:43: Da wurde mir gezeigt, wie man das Profil

00:26:48: aufgebaut werden kann, wie man mit diesem Sales

00:26:50: Manager arbeitet, wie man die Kampagnen macht, hier

00:26:53: und da.

00:26:55: Da habe ich schon angefangen mit den Videos.

00:26:58: Ich dachte da schon, hey, jetzt haust du

00:27:00: Videos raus und da aber trotzdem in der

00:27:02: Schulung hieß es, mach doch lieber Bildchen und

00:27:04: mach doch lieber Text.

00:27:06: Teilweise hatte ich Beiträge, die hatten eine Viertelmillion

00:27:09: Impressionen pro Beitrag.

00:27:11: Das war eins mit einem Tabellenbuch.

00:27:12: Ich hatte wirklich nur ein Tabellenbuch abfotografiert.

00:27:14: Dann habe ich geschrieben, Studium oder Ausbildung, was

00:27:18: ist sinnvoller.

00:27:19: Das Ding ging voll viral.

00:27:21: Es ist ein massentaugliches Thema, interessiert viele Leute,

00:27:24: war wahrscheinlich auch die Phase, wo LinkedIn noch

00:27:26: leichter war als heute.

00:27:28: Heute ist es ja schon ein bisschen schwieriger

00:27:29: geworden, als noch vor ein paar Jahren dort

00:27:31: viele Leute zu erreichen.

00:27:33: Das kann ich mir schon gut vorstellen.

00:27:34: Genau, das war eins der wichtigen Tipps, die

00:27:37: ich bekommen habe.

00:27:38: Du kannst nichts verkaufen, wenn du es nicht

00:27:40: zeigst.

00:27:40: Du musst präsent sein, du musst es zeigen.

00:27:43: Das war die Geburtsstunde von Social Media, wo

00:27:46: ich mir selber gesagt habe, jetzt verlasse ich

00:27:48: die Komfortzone.

00:27:49: Jetzt muss ich mich überwinden und nimmst das

00:27:51: Handy in die Hand und dann musst du

00:27:53: filmen.

00:27:53: Das war im Sommer 2024, August, September so

00:27:57: die Zeit, wo ich gesagt habe, jetzt mache

00:28:00: ich ein Jahr jeden Tag ein Video.

00:28:03: Jeden Tag ein Jahr ein Video und teilweise

00:28:05: habe ich tatsächlich Videos abgedreht, die auf dem

00:28:07: Handy gespeichert waren oder die ich dann mit

00:28:09: dem Kalender gepostet habe, zeitlich gepostet habe, terminiert

00:28:14: habe, wo ich dann gesagt habe, ein Jahr

00:28:16: ein Video und egal, ob du Bock hast

00:28:20: oder nicht, ziehst du durch.

00:28:21: Und dann ziehst du Resümee, hat das was

00:28:23: gebracht oder nicht.

00:28:26: Gut, dass ich das eine Jahr durchgehalten habe.

00:28:29: Nach einem halben Jahr habe ich gesagt, ey,

00:28:30: wozu dieser ganze Mist?

00:28:32: Das bringt doch gar nichts.

00:28:33: Investierst Zeit, blamierst du dich vor der Kamera,

00:28:37: das sieht doch voll affig aus, machst dich

00:28:38: zum Trottel.

00:28:41: Das ist das Beste, was ich machen konnte.

00:28:44: Weil wir als kleiner, kleiner Laden können wirklich

00:28:47: alles zeigen und wir zeigen auch alles.

00:28:49: Ich habe da keine Scheu.

00:28:51: Wenn wir einen Fehler machen, das gehört dazu.

00:28:53: Du darfst nicht nur bling, bling, nur Erfolg,

00:28:57: nur tolle Sachen posten.

00:28:58: Nein, das ist nicht reell.

00:29:00: Wir sind alle Menschen.

00:29:01: Egal, ob wir kleine Kinder sind oder ob

00:29:02: wir Erwachsene sind.

00:29:03: Jeder von uns fällt auf die Schnauze und

00:29:04: es ist nicht alles rosig.

00:29:06: Das finde ich auch so spannend bei dir,

00:29:07: weil gerade in Deutschland ist ja die Kultur

00:29:09: häufig so, Fehler zu verstecken.

00:29:11: Was du auch meintest, ich bin gescheitert mit

00:29:13: der Insolvenz.

00:29:14: Und in den USA zum Beispiel ist es

00:29:16: ja ganz anders.

00:29:18: Ich meine, man muss sich auch nicht hinstellen

00:29:19: und sich dafür feiern, aber offen und ehrlich

00:29:21: darüber zu sprechen aus Erfahrungswerten ist ja, finde

00:29:24: ich, total wertvoll.

00:29:25: Deswegen auch cool, dass du das so feierst.

00:29:27: Vielleicht ist das ein kleiner Tipp.

00:29:29: Nicht blauäugig, nicht los risikoreich.

00:29:32: Je mehr Risiko, umso mehr Profit.

00:29:34: Nein, genauso kann es dir das Genick brechen.

00:29:38: Und man muss zu den Sachen stehen.

00:29:39: Und das sehe ich ganz, ganz stark im

00:29:42: Maschinenbau.

00:29:43: Sehr konservativ, sehr geheimnisvoll.

00:29:46: Bloß nichts zeigen.

00:29:48: Es ist mein Know-how.

00:29:50: Aber es gibt kaum einen von uns, der

00:29:53: Raketenwissenschaft macht, der irgendwie was super, super Einzigartiges

00:29:57: macht.

00:29:58: Nein, wir arbeiten alle

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.